31.05.2010, Hannoversche Allgemeine Zeitung
Im Irrgarten der Sinne
Am 4. Juni beginnen die ersten KunsFestSpiele Herrenhausen unter der Intendanz von Elisabeth Schweeger: Die Macht des Spiels. Bis zum 27. Juni verwandeln sich die Herrenhäuser Gärten in einen grünen Kunstraum mit 40 Veranstaltungen. Zu den Höhepunkten zählt die Stimmeninstallation CHORUS mit 500 Sängern aus niedersächsischen Chören - das Pilotprojekt für ein Festival der Chöre.
Sind es die Stimmen der Sänger oder ist es der Abendwind, der sich in den akkurat geschnittenen Hecken fängt? Plötzlich Stille. Und dann rauscht von fern die große Fontäne. Mit einer Ouvertüre aus Klängen, Ahnungen und Überraschungen werden die Besucher auf einen ungewöhnlichen Nachtbummel eingestimmt und dann "wie durch einen Zaubergarten geführt", verrät Ludger Engels, Regisseur der Stimmeninstallation CHORUS in den Herrenhäuser Gärten. Er leitet das ambitionierte Chorprojekt mit rund 500 Sänger aus Chören in und um Hannover, neben dem Norddeutschen Figuralchor und dem Bachchor Hannover sind auch der Chor der Medizinischen Hochschule Hannover, der Spiritualchor Mühlenberg oder der Schaumburger Jugendchor dabei. "Wir locken die Gäste mit verschiedenen Gesängen von einem Garten in den nächsten", sagt Engels. "Es ist ein Spaziergang, der in der sommerlichen Abenddämmerung beginnt und gegen Mitternacht endet". Ein Verwirrspiel aus Geräuschen und Gesängen in der barocken Gartensymmetrie, eine begehbare Klanginstallation, die in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Theater entsteht. So wird etwa der Gesang zugleich auch elektronisch verfremdet und als Echo andernorts hörbar. ein Labyrinth der Sinne, das unter den Lindenbäumen hinter dem Gartentheater zu einem besonderen Erlebnis (ver-)führen soll: Per Zufallsgenerator werden dort die Chorklänge in einzelnen Bäumen noch einmal zu hören sein - und jeder Baum, der "singt", wird illuminiert. Das Repertoire der Chöre reicht von Monteverdi über Mozart bis Arvo Pärt, also vom Frühbarock bis in die Gegenwart, Musik, die Barockspezialist Ludger Engels zu einer großen Partitur zusammenfügt - und ein Querschnitt dessen, was die große niedersächsische Chorlandschaft mit ihren rund 150 Chören allein innerhalb der Stadt Hannover und mit mindestens ebenso vielen Chören im Umland zu bieten hat. "Diese Vielfalt ist einmalig in Deutschland", sagt Engels. So ist CHORUS nicht nur eine Hommage an die reiche Chortradition, sondern zugleich das Pilotprojekt für ein Festival der Chöre, das vom kommenden Sommer an fester Bestandteil der KunstFestSpiele Herrenhausen werden soll. Dz.
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